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Ein Herbst startet in den Winter
26.1.2007 - Am Samstag wird eines der erstaunlichsten
Comebacks im alpinen Ski-rennsport perfekt: Reinfried Herbst
startet nur sechs Monate nach einem Kreuzbandriss
sein Comeback in Kitzbühel. Zuvor erzählte er alles
über seinen Weg zurück, seine Ziele und sein Umfeld.
Es war eine absolute Hoch-Phase im Leben des Reinfried Herbst.
Er war sportlich gesehen ganz unten, bereitete
sich auf die Saison 2005/06 in Eigenregie vor, schaffte den
Sprung ins österreichische Slalom-Team, kämpfte
sich in die erste Gruppe, fuhr in Kitzbühel auf Platz
zwei, fuhr in Turin zu einer Medaille und feierte nur zwei
Weltcup-Rennen später in Shigakogen seinen ersten Sieg.
Doch dann kam plötzlich der Filmriss: Bei einem Benefiz-Fußballspiel
drehte er nach einem Treffer jubelnd ab, blieb hängen
und riss sich das Kreuzband. Dem Tiefschlag folgte
aber ein sensationell schneller Aufbau, der am Samstag mit
dem Comeback im Weltcup gekrönt werden soll.
Die Worte sprudeln nur so aus Reinfried Herbst heraus. 20
Minuten erklärte er in Kitzbühel seinen Weg zurück.
In Kürze zusammengefasst: Es ging eigentlich immer
nur bergauf. Ich hatte Vertrauen in mein Umfeld, mein Umfeld
arbeitete perfekt zusammen und ist immer zu mir gestanden.
Egal ob mein Arzt Dr. Fink, meine Trainer in Rif, mein Skitrainer
Dietmar Thöni, meine Skifirma Blizzard und Rennchef Dieter
Bartsch: Alles hat perfekt geklappt.
Rasche Fortschritte
Die Fortschritte waren dank konsequenter Arbeit (Bartsch:
Er hat wirklich sensationell gearbeitet!) so groß,
dass der Unkener schon nach fünf Monaten den Schritt
wagte und in Mutters erstmals wieder auf die Ski stieg. Vorher
haben wir noch einige Übungen gemacht, die wirklich Mut
erfordert haben, wo ich an meine Grenzen gehen musste, das
Vertrauen aufbaute, das Knie wieder voll belasten zu können.
Und dann die nächste Überraschung für den 28-Jährigen:
Ich war davor insgesamt acht Monate nicht auf Skiern
gestanden. Früher hatte ich oft schon nach einem Monat
das Gefühl, dass ich von vorne anfangen müsste.
Diesmal nicht es hat alles perfekt geklappt.
So schnell, dass er mit Dietmar Thöni auch schon bald
anfing, zwischen den Toren zu Kurven. Allerdings achtete Herbst
streng darauf, nicht zu überdrehen, legte Pausen ein,
fuhr drei Tage Ski und machte vier Tage Pause. Am Anfang
war es schlimm, Dietmar hat sogar einmal gesagt, dass ich
auf einmal zwei Stockeinsätze mache. Aber es ist schnell
gut gegangen, ich bin auch schnell wieder sehr nah an die
Stangen gefahren.
Letzter Test und Bestätigung
Der letzte Test folgte dann vergangene Woche mit der Mannschaft
und Herbst war schnell: Für mich ist etwa
Manfred Pranger ein Maßstab und mit ihm habe
ich mithalten können, war sogar einmal schneller.
Dazu kommt, dass Herbst den Verletztenstatus der FIS kritisiert:
Steigt man im Winter ein und fährt mehr als ein
Rennen, dann ist man nur benachteiligt. Das kann es nicht
sein. Also habe ich beschlossen, auf den Status zu sch...
Ich steige wieder voll ein. Das ist mir lieber, als die Rennen
im TV zu sehen.
Die Ziele für Herbst scheinen hochgesteckt: Wenn
ich meine Trainingsleistung abrufen kann, dann ist vielleicht
ein Platz in den Top 15 drinnen. Und damit, wenn er
diese Resultate im zweiten Kitz-Slalom und in Schladming bestätigt,
wäre sogar noch das WM-Ticket in Reichweite und
bis dorthin weitere drei Wochen Zeit. Ausgehen sollte
es sich, schmunzelt Herbst.
Keine Bedenken wegen dem Knie
Bedenken, dass das Knie nicht hält, hat Herbst keine:
Wenn ich die hätte, könnte ich sofort einpacken.
Als letzte Bestätigung machte er auch Druckerverteilungstest
mit ÖSV-Techniker Markus Sparber. Die zeigten, dass Herbst
sein Gefühl nicht betrog: Er belastete beide Beine gleichmäßig.
So gut ist das Gefühl, dass Herbst für den Start
sogar auf eine weitere Unbekannte setzt: Ich hatte kaum
Zeit zum Testen. Aber mein Servicemann hat am Freitag einen
komplett neuen Ski aus dem Köcher gezogen. Und auch,
wenn er noch nie im Einsatz war: Ich werde damit fahren!
Ein Ski, der laut Dieter Bartsch bereits nach dem Reglement
der kommenden Saison gebaut wurde breiter und mit tieferem
Stand. Aber der so gut sein soll, dass auch der Japaner Akira
Sasaki dem neuen Modell schon in Kitz vertraut.
Story: Michael Schuen/Sportnet
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